Wirtschaft / Marktplatz

Schwere Zeiten für die WTO

Gute Wirtschaftspolitik braucht Mut zu Reformen und richtige Weichenstellungen. Um dazu beizutragen, erörtern wir im «Marktplatz» regelmäßig drängende ordnungspolitische Themen. Diesmal: die WTO

Text: Karen Horn

Zumeist sind Jubiläen fröhliche Anlässe. Aber von gelöster Stimmung kann nicht die Rede sein mit Blick auf das 25-jährige Bestehen der Welthandelsorganisation (WTO), Dachorganisation dreier wichtiger multilateraler Handelsabkommen (GATT, GATS, TRIPS). Seit Gründung der WTO 1995 hat sich der Welthandel vervierfacht und der Anteil extrem armer Menschen an der Weltbevölkerung ist von einem Drittel auf weniger als ein Zehntel geschrumpft. Doch es sind äußerst schwere Zeiten für die WTO.

Zum einen hat es die von 164 Mitgliedstaaten getragene Genfer Institution mit einer üblen politischen Großwetterlage zu tun. Die in kurzsichtigen nationalen Egoismus verfallenden Vereinigten Staaten, eines der wichtigsten Mitgliedsländer und immerhin der größte Nutznießer der WTO, verabschieden sich vom Multilateralismus. Die Handelskriege nehmen zu, besonders mit der Volksrepublik China, die zudem das von den Amerikanern zurückgelassene geopolitische Vakuum für sich zu nutzen sucht. Der protektionistische Ungeist treibt immer neue Blüten, zuletzt noch befördert durch die Corona-Krise.

Jedes WTO-Mitglied hat ein Vetorecht. Mit zwei Alphastaaten wie Amerika und China an Bord ist so der Stillstand garantiert.

Karen Horn